Winterwandern im Chiemgau

Sonne pur beim Winterwandern im Chiemgau

Der Hochgern ist immer ein beliebtes Ziel

Wie jedes Jahr im Januar macht der Alpenverein Bad Griesbach/Pocking eine Auffrischung im Umgang mit der LVS-Ausrüstung (Lawinwn-Verschütteten-Such-Ausrüstung).Der Hochgern im Chiemgau ist prädestiniert dafür.

Eine Gruppe interessierter DAVler startete am Wanderparkplatz unterhalb der Burg von Marquartstein auf etwa 620m Höhe. Anstatt Schnee gab es leider nur vereiste Wanderwege. Hier waren Grödel, bzw. Spikes an den Wanderschuhen ein absolutes MUSS. Schon kurz nach dem Start zeigten sich Geigelstein und Hochplatte in der Morgensonne. Teile der Ortschaft Unterwössen schlummerten noch unter einer dünnen Nebelschicht, die sich nur zaghaft aufzulösen schien.

Nach gut einer Stunde gemütlicher Wanderung erreichte die Gruppe die Argersgschwendalm (1040m). Ein paar Bänke an der sonnigen Hausmauer kamen gerade recht für eine Rast. Die wurde zugleich ausgenützt um sich wieder der Gefahren im Winter in den Bergen bewusst zu werden.

Was sagt der Lawinenlagebericht? Wie sind die aktuellen Schnee- und Witterungsverhältnisse? Wo befinden sich kritische Abschnitte bei meiner Tour? Wo sehe ich Schwachstellen im Schnee... usw. Eines wurde allen schnell wieder klar: Eine im Sommer einfache Wanderung kann im Winter bei entsprechenden Verhältnissen schnell zur Herausforderung werden.

Nach einer kleinen Stärkung wanderten die Gruppe nun in Richtung Hochgernhaus. Im Wald waren viele Wegabschnitte bedeckt von einer dicken Eisschicht. Viele Wanderer gehen hier auch ohne entsprechendes Equipment den Berg hinauf, manche sogar mit Turnschuhen. Das sorgt bei der ausgebildeten Bergwanderleiterin Anita Kälker immer wieder für Kopfschütteln. Wenn schon Halbschuhe, dann wenigstens mir einer griffigen und festen Schuhsole und Spikes, die gibt es schon ab etwa 40.- Euro, die sind wichtiger als eine stylische Wanderhose.

Der Wald lichtete sich und es wurden schnell die Blicke frei ins Tal wo sich der Nebel mittlerweile aufgelöst hat. Auch hier wurden die Sinne geschärft, auch wenn aktuell keine Gefahr bestand. Und so folgte man unbeschwert dem südseitigen Wanderweg hinauf bis zum Hochgernhaus auf 1460m. Hier wurde nochmals kurz pausiert bevor man das letzte Drittel der Tour in Angriff nahm.

Die nach Süden ausgerichteten Hänge erinnerten eher an einen Frühlingstag und nicht an Hochwinter im Januar. Überall schauten die Grasmatten hervor, nur in den schattigen Nordflanken gab es eine geschlossene Schneedecke. Beim Gleitschirm-Starthügel gab´s die nächste Übungseinheit. Den richtige Umgang mit dem LVS-Gerät kann man nicht oft genug üben! Sollte es zu einem Lawinenabgang mit Verschütteten kommen zählt jede Sekunde. Darum sollte das Handling jedes Jahr aufs Neue verinnerlicht werden. Im Ernstfall fallen die Überlebenschance der Verunglückten schon nach etwa 15 Minuten rapide ab. Es droht der Erstickungstod.

Aber nun genug geübt, alle wollten natürlich noch auf den Gipfel. Die Spur in der harschigen Schneedecke war gut eingetreten und zog sich an einer Felsflanke entlang. Es folgte ein kurzer Aufschwung. Vertrocknete Grashalme ragten durch den harschigen Schnee. Die Spur zog sich nun dem finalen Gipfelanstieg entgegen. Die DAVler waren nicht die einzigen an diesem sonnigen Sonntag. Eine ganze Karawane sonnenhungriger Bergwanderer stapften den Berg hinauf bis zum Gipfelkreuz auf 1748m. Und auch dort herrschte reges Treiben. Die Gruppe suchte sich einen windgeschützten Platz und ließ das Panorama auf sich wirken.

Im Norden unter der Nebeldecke schlummerte der Chiemsee und erst am Horizont gab der Nebel den Höhenzug des Bayerischen Waldes frei. Im Osten präsentierten sich die Berchtesgadener Alpen, gefolgt vom Alpenhauptkamm nach Süden. Dominant zeigte sich das Kaisergebirge an dessen Westseite sich das Inntal nach Süden zieht. Auf westlicher Seite lag das Tal der Tiroler Ache. Darüber ragten die westlichen Chiemgauer Berge mit der markanten Kampenwand in den Himmel. Anschließend wieder das Nebelmeer, das wie eine dicke Daunendecke das Alpenvorland bedeckte.

Nach der ausgiebigen Gipfelschau wanderte man auf dem selben Weg zurück zur Hütte. Hier gab es den verdienten Einkehrschwung bevor man anschließend zurück zum Ausgangspunkt wanderte.

Ein sonniger Wintertag in den Chiemgauer Alpen ist immer wieder ein Erlebnis.

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