Alpstein Durchquerung

Wo die Ostschweiz am wildesten ist.

Alpenverein Bad Griesbach - Pocking auf 7tägiger Bergtour unterwegs im Alpsteinmassiv.

Der Alpstein ist eines der spektakulärsten Gebirgsmassive der Schweiz. Er liegt in den Appenzeller Alpen und ist nur 30 km Luftlinie vom Bodensee entfernt. Durch diese sehr geringe Entfernung und seiner exponierten Lage präsentiert sich das Kalksteinmassiv aus Norden kommend als wilde, ungezähmte Festung aus Kalk und Stein. Logistisch ist er dank seines dichten Wanderwegnetz und den vielen Berggasthöfen ein Paradies für Wanderer und Bergsteiger.

Tag 1

Mit der Luftseilbahn Wasserauen–Ebenalp ging es für die sieben Rottaler in sechs Minuten von 867 m hinauf auf das Hochplateau der Ebenalp auf 1.590 m. Hier war sozusagen der Startpunkt der Tour. Nach einem kurzen Panorama-Spaziergang mit Blick zum Bodensee änderte sich die Kulisse drastisch: Der Weg senkt sich und führt geradewegs in die kühlen, prähistorischen Wildkirchli-Höhlen. Sie sind berühmt für paläontologische Funde aus der Altsteinzeit. Unter anderem wurden hier zahlreiche Knochen von Höhlenbären und alte Steinwerkzeuge entdeckt.

Am Ausgang erwatete die Wanderer einer alten Eremitenklause und die Kapelle St. Michael. Nach weiteren 20 Minuten Gehzeit standen die DAVler vor dem weltberühmten Berggasthaus Äscher. Wie festgeklebt schmiegt sich das historische Holzgebäude an die 100 Meter hohe Steilwand. Klar gab es hier eine Kaffeepause.

Direkt im Anschluss folgte man dem Bergweg der leicht ansteigend unterhalb der riesigen Felswand entlangzieht. Nach dem spektakulären Felswand öffnete sich das Gelände und oberhalb der Almhänge thronte schon der Berggasthof Schäfler, 1.924 m, den man nach knapp 500 Höhenmetern erreicht hatte. Hier verbrachte man die erste Nacht.

Tag 2

Am nächsten Morgen vor dem Frühstück herrschte eine besondere Lichtstimmung. Über dem sanften, hügeligen Appenzeller Land mit seinen verstreuten Höfen grüßte die aufgehende Sonne. In der entgegengesetzte Richtung dann der Blick zu den Felsformationen der Altenalptürme die sich als messerscharfer, tiefgrüner felsiger Grat aufreiht.

So gegen 8:00 Uhr startete die Gruppe zu ihrer ersten Bergtour. Es ging zum 2.502 m hohen Säntis und weiter über den Lisengrat zur Rotsteinpass – Hütte. Direkt hinterm Schäfler wird der Steig schmal und luftig. Es ging über Kehren und teilweise seilgesicherter Felsstufen steil hinab zum Lötzlialpsattel. Danach folgte ein Alpinwanderweg der direkt an den steilen, geröllreichen Nordwänden der Altenalptürme querte.

Unaufhörlich zog sich der weitere Weg über schrofiges Gelände bis zum Öhlisattel, über die Schutthalden des ehemaligen Gletschers und letztendlich über eine „Himmelsleiter“ hinauf zum verbauten Gipfel des Säntis, 2.052 m. Im Berg-Gasthaus Alter Säntis gab es dann die verdiente Mittagspause.

Gut gestärkt folgte der Lisengrat, dieser wurde stellenweise direkt aus der massiven Felswand herausgesprengt und gemeißelt. Auf der linken Seite der Blick fast senkrecht hinunter in die kargen Felsbecken der Öhrligrueb und auf der rechten Seite fallen die Felswände extrem steil ab in Richtung Toggenburg und Wildhaus. Über viele Kehren ging es dann hinunter zum Rotsteinpass mit der gleichnamigen Hütte. Es war das absolut spektakulärste Szenario des heutigen Tages.

Tag 3

Am nächsten Morgen erwartete die Bergsteiger ein weiterer spannender Tag. Vormittags der Aufstieg zum 2.435.m hohe Altmann und am Nchmittag der Weiterweg zur ASC-Hundsteinhütte. Die Sonne tauchte den Säntis mit dem Lisengrat in ein rötliches Licht. Eine Stunde später, kurz vor 8.00 Uhr starteten die Alpinisten zu ihrer nächsten Tour.

Die Route führt quer durch eine fast senkrechte Felsflanke, die von einem durchgehenden, straff gespannten Stahlseil das Risiko relativierte. Nach den steilen Felsflanken flachte der Weg ab und führte die Gruppe zum Altmannsattel (2.368 m). Nun folgte die Kletterei auf den Gipfel im II. Schwierigkeitsgrat ohne Seilversicherungen.

Die Schlüssestelle kurz unterhalb vom Gipfel war ein kurzer, schmaler Grat dessen Fels glatt und „speckig“war von den vielen Bergsteigern. Links und rechts ging es in die Tiefe. Vier Teilnehmer bissen die Zähne zusammen und schon standen sie voller Stolz am Gipfelkreuz.

Nun mußten sie den gleichen Abstieg zurück zum Altmannsattel. Hier erwarteten 16 Alpensteinböcke die Gruppe. Gemächlich stiegen die stolzen Tiere den Schotterhang herauf und blieben kurz unterhalb vom Sattel wie zu einem Fototermin stehen. Die Kolonie geht auf eine Wiederansiedlung in den Jahren 1955 und 1956 zurück. Da die Tiere hier geschützt sind haben sie kaum Scheu vor den Menschen.

Zurück am Rotsteinpass führte die weitere Route auf rot-weiss markierten Bergwanderwegen unter den Felswänden der Freiheit vorbei zum Widderalpsattel. Von dort stiegen die Rottaler über die Widderalp ab und querten direkt zur Hundsteinhütte, die auf einer Terrasse hoch über dem Fälensee liegt. Hier verbrachte die Gruppe ihre vierte Nacht.

Tag 4

Am nächsten Morgen stand die Besteigung des Hundsteins auf dem Programm. Der direkte Aufstieg führte über die steile Südflanke und ist als anspruchsvoller Alpinwanderweg (Schwierigkeitsgrad T4 bis T5) blau-weiss markiert.

Es ging steil durch Grashänge empor und durch eine felsigen Rinne. Im oberen Teil folgte eine ausgesetzte, erdig-schrofige Zone, bevor alle acht Teilnehmer über den Grat von Norden her das Gipfelkreuz auf 2.157 m erreichen.

Da der Berg wie ein mächtiger Felsklotz über dem tiefblauen Fälensee thront, bietet er eine besonders dramatische Tiefen- und Weitsicht und einen spektakulärer 360-Grad-Rundblick über die gesamte Alpstein-Kette und weit darüber hinaus.

Danach ging es voll konzentriert die gleiche Route zurück zur Hütte und weiter zum tiefgrünen Fählensee und dem Berggasthaus Bollenwees. Hier erwatete die Rottaler ein erfrischendes Badevergnügen.

Tag 5

Am Morgen darauf zeigte sich ein grandioses Naturschauspiel. Die westlichen Gipfel erstrahlten im intensiven Alpenglühen, während der See im Schatten lag. Auf seiner spiegelglatten Wasserfläche reflektierten sich die leuchtenden Felswände der Hundsteingruppe und verzauberten das tiefe Talbecken.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es für die DAVler am Wasser entlang bis zur Fählenalp am hinteren Ende des Sees. Nun wurde es wieder steiler und schrofiger bis man die Zwinglipass Hütte auf 2.000 m Höhe erreichte. Von der Sonnenterrasse aus erstreckte sich der Weitblick über das Rheintal zu den Churfirsten und weit darüber hinaus bis zum Horizont.

Wie überall auf den hochgelegenen Hütten herrschte auch hier extremer Wassermangel und noch nie wurde die Hütte per Hubschrauber mit Wasser versorgt, aber heuer war es das erste mal und so meinte der Hüttenwirt man solle lieber Wein trinken der wäre nicht so teuer wie das eingeflogene Wasser.

Tag 6 und 7

In den beiden letzten Tagen wanderten die Rottaler Bergsteiger zum Mutschen, 2.122m, und weiter auf einen Höhenwanderweg zur Saxerlücke. Direkt an der Lücke ragen die Zacken der Kreuzberge fast senkrecht empor und nach Osten fällt das Gelände extrem steil ab ins St.Galler Rheintal.

Der gut ausgebaute Höhenweg schlängelte sich anschließend spektakulär entlang steiler Kalkfelswände bis zum Berggasthaus Staubern. Danach ging es dann im steilen Zickzack hinunter zum Plattenbödeli.

Auf der letzten Etappe mussten nochmals einige hundert Höhenmeter bergauf zur Alp Sigel überwunden werden. Ein aussichtsreicher Wanderweg schlängelte sich anschließend über Almwiesen bis er ab den letzten Almhütten steil hinunter zum Parkplatz nach Wasserauen führte.

In sieben Tagen im Zick Zack kreuz und quer durch das ungezähmte Herz des Alpsteins. Es war ein grandioses Bergabenteuer für die acht Alpinisten aus dem Rottal.

Zurück zur Newsübersicht