Leitersteig und Kleinerberg

Über den Leitersteig zum Kleinerberg - Steil, wurzelig und absolut lohnend

Wer die Bergwelt rund um Windischgarsten abseits der großen Touristenströme erleben möchte, findet in der Rundwanderung über den Leitersteig zum Kleinerberg ein echtes Abenteuer. Der Name täuscht, denn echte Leitern gibt es nicht – dafür einen schmalen, knackigen Waldpfad. Zehn Mitglieder vom Alpenverein Bad Griesbach-Pocking wollten sich dieses Naturerlebnis nicht entgehen lassen.

Um der Hitze im Tal zu entfliehen wurde bereits um 7:30 Uhr gestartet. Die Tour war perfekt für diesen heißen Sonntag, denn es geht fast nur durch den Wald. Ausgangspunkt war der Parkplatz in Mayrwinkl, einem Ortsteil von Windichgarsten. Der Einstieg führt die Wanderer zunächst über sanfte Wiesenwege. Schon im ersten Drittel der Wanderung wartet ein faszinierendes Naturdenkmal auf die DAVler - der sogenannte Teufelshaufen. Dabei handelt es sich um ein mächtiges Felssturzgelände im Dolomitgestein. Riesige, wild übereinander gestürzte Felsbrocken zeugen hier von den gewaltigen Kräften der Natur und verleihen dem schattigen Bergwald eine mystische, fast urzeitliche Atmosphäre. Direkt im Anschluss weicht die anfängliche Idylle den anspruchsvollen Bedingungen des Leitersteigs. Entgegen seinem Namen findet man auf dem gesamten Steig keine einzige Leiter. Stattdessen zieht sich ein schmaler, steiler Pfad durch das stark bewaldete Gelände. Feuchte Wurzeln, felsige Abschnitte und teils ausgesetzte Passagen verleihen der Route den besonderen Reiz. Das erste Zwischenziel bildete dann der dicht bewaldete Speikkogel (1.112 m). Wäre da nicht das Hinweisschild „Speik-Kogel 1.100 m. Vorsicht Abrutschstelle!“ würde man an diesem unscheinbaren Aussichtspunkt vermutlich nichtsahnend vorbeiwandern. Für eine erste längere Pause kam der kleine Felsvorsprung aber genau recht. Der Ausblick war allerdings lohnend. Der Blick wanderte über bewaldete Berghänge hinunter ins Tal wo sich dahinter die alpinen Gipfel vom Toten Gebirge erhoben.

Nach der Passage des dicht bewaldeten Speikkogels erreichen die Wanderer eine sanftere, flachere Lichtung, den sogenannten Blosboden auf 1.060 m. In einer flachen Senke erregte ein kleiner Waldtümpel die Aufmerksamkeit der Wanderer. Etliche Bergmolche und Kaulquappen tummelten sich im seichten Wasser. Hoffentlich trocknet der Teich nicht aus, denn das würde den Tod der hier seltenen Tiere bedeuten.

Von nun an änderte sich der Charakter der Wanderung. Der schmale Steig wich einem breiten Karrenweg, der sich durch lichten Bergmischwald schlängelte. Schließlich endete der Weg an der Schotterstraße die zum Kleinerberg führte. Der Blick musste nicht mehr starr auf den Boden gerichtet sein und man konnte entspannt nebeneinander gehen, und ratschen. Nun war auch der Wendepunkt der Tour erreicht. Die Route schwenkte in westliche Richtung. Am nährstoffarmen Wegesrand leuchten die dichten Blütenkerzen des Breitblättrigen und des Gefleckten Knabenkrauts, das besonders jetzt im Frühsommer in voller Blüte steht. Schritt für Schritt ging es nun hinauf zu den freien, steilen Grasflanken des Kleinerbergs (1.287 m). Am höchsten Punkt der Wanderung angekommen, suchte man ein klassisches, hölzernes Gipfelkreuz vergebens. Stattdessen dominiert der imposante rund 80 Meter hohe Funkmast auf der baumlosen Bergkuppe. Alle freuten sich nun auf eine ausgiebige Gipfelrast und auf das beinahe 360°-Panorama. Über dem Windischgarstner Becken thronten die Haller Mauern, der Gebirgsstock vom Warscheneck und das Tote Gebirge mit dem Großen Priel. Nordwestlich erstreckte sich das Sengsengebirge bis der Sendemast das Blickfeld beendete.

Nachdem die Kraftreserven wieder aufgefüllt waren, begann der Rückweg. Vom Gipfelplateau des Kleinerbergs zweigte nun der Schafsteig ab. Dieser Pfad führte die Wanderer wieder hinein in den schattenspendenden Bergwald. Obwohl der Schafsteig im Vergleich zum Leitersteig deutlich knieschonender und flüssiger zu gehen war, forderte er auf dem teils erdigen und wurzeligen Waldboden dennoch solide Aufmerksamkeit. Der Pfad schlängelte sich in Serpentinen talwärts, bis sich der dichte Wald schließlich lichtete. Die Wanderer erreichen die idyllisch gelegene Ortschaft Kleiner, die am Fuße des Berges liegt. Man folgte der schmalen Straße bis zum nächsten Wegweiser mit dem Hinweis „Bannholzmauer Klettersteigpark, 15 Minuten“.

Im unteren Drittel des Abstiegs gab es nochmals einen Zwischenstopp, den Abstecher zur Bannholzmauer (ca. 765 m). Die rund 50 Meter hohe Dolomitfelswand ist ein weithin bekannter Klettersteigpark. Auch für die Rottaler Wanderer war der gesicherten Aussichtspunkt ein willkommener Abstecher. Von hier aus bot sich ein tiefer, beeindruckender Ausblick in das Veichltal und auf die bewaldeten Hänge des Wurbauerkogels. Nun wurde auch gerätselt wo denn unsere Wanderroute im gegenüber liegenden Berghang verlief.

Auf den letzten Kilometern wanderte die Gruppe gemütlich durch den lichter werdenden Wald zurück ins Tal. Man erreichen schließlich wieder den Wanderparkplatz wo die Tour am frühen Vormittag begann.

Aber was wäre eine Bergwanderung ohne Einkehrschwung? Im Café Thallinger belohnte man sich mit kalten Getränken, Eiskaffee und leckerem Kuchen, bevor es wieder nach Hause ging.

Zurück zur Newsübersicht